06.11.2009 17:50

Gute Laune beim Kicker-Match in der neuen SIH-Gerlingen: Martina Koch-Haßdenteufel (re.) freut sich zusammen mit Schulrektor Bernd Rau (links neben ihr) über einen gelungenen Spielzug.
G e r l i n g e n / K o r n t a l / 06. November 2009 – Martina Koch-Haßdenteufel, Erste Beigeordnete der Stadt Gerlingen, räumte bei der offiziellen Einweihung der neuen Sonderpädagogischen Integrationshilfe (SIH) der Jugendhilfe Hoffmannhaus Korntal gleich mit einem Tabu auf: „Viele wissen gar nicht, dass es selbst in unserem wohlhabenden Gerlingen einige mit der Erziehung ihrer Kinder überforderte Eltern gibt.“ Wenn beispielsweise Eltern voll berufstätig seien, fehle den Kindern oft eine nachhaltige Hausaufgabenbetreuung zu Hause ebenso wie eine sinnvolle Freizeitgestaltung. „Nun“, so Koch-Haßdenteufel, „sind wir um eine Einrichtung in Gerlingen reicher, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kindern und Jugendlichen Perspektiven für die Zukunft zu geben.“
Klaus-Dieter Steeb, Leiter der Jugendhilfe Hoffmannhaus, die die SIH trägt und die zur Diakonie der Ev. Brüdergemeinde Korntal gehört, lobte die Zusammenarbeit mit der Stadt Gerlingen. Bereits binnen eines Jahres nach Aufnahme der Gespräche, habe man die SIH-Gerlingen in Betrieb nehmen können. Zu diesem Zweck hatte die Stadt den ehemaligen Raiffeisenmarkt an der Urbanstraße 9 zur Verfügung gestellt. Nach einigen Umbauarbeiten durch das Hoffmannhaus sind nun großzügige Räumlichkeiten entstanden. Hier gibt es einzelne Lernzimmer, ein Büro, einen großen Aufenthaltsraum, eine Küche sowie einen Kreativraum für zurzeit zehn Kinder.
„Die SIH bietet Kindern und Jugendlichen dort Hilfe an, wo sie leben“, erklärte der Erziehungsleiter des Hoffmannhauses, Wolfgang Kapp. Die SIH beschrieb er mit Hilfe bunter Lego-Bausteine. Ein erster Baustein sei ein betreutes Mittagessen. „Hier geht es um gute Tischmanieren und um Tischgespräche, in denen man unter anderem gut üben kann, jemanden ausreden zu lassen“, sagte er. Ein weiterer Baustein sei die anschließende Lernzeit. „Die Kinder müssen heute erst das Lernen erlernen“, so Kapp. Dazu gehöre die Zeiteinteilung, die Ordnung in Ranzen und Mäppchen sowie das Ausdauertraining, um die Hausaufgaben verlässlich fertig zu bekommen. Der dritte Baustein sei das soziale Lernen. „Hier wollen wir die Ressourcen der Kinder nutzen, um soziale Umgangsformen zu vermitteln.“ Kompetenztraining, gefördert durch Spiel und Sport, steht hier ebenso auf dem Programm wie die Einzelförderung. Welcher Baustein für welches Kind wichtig ist, entscheidet ein individueller Hilfeplan. Die SIH-Maßnahme wird in Absprache mit Eltern, Lehrern, örtlichen sozialen Diensten sowie dem Jugendamt festgelegt.
„Ich wünsche Ihnen, dass Kinder vertrauen zu Ihnen aufbauen und Sie Ihnen Geborgenheit schenken können“, sagte Martina Koch-Haßdenteufel an die Sonderpädagogen der SIH gewandt. Dazu soll auch der Kicker im Aufenthaltsraum beitragen, an dessen Kosten sich die Stadt Gerlingen laut Koch-Haßdenteufel als Einweihungsgeschenk beteiligen möchte. An ihm spielen Kinder und Erzieher gemeinsam. „Auf die Kinder macht es Eindruck, wenn man ein paar Tricks draufhat“, weiß Sozialpädagoge Björn Oberdorfer, der zusammen mit Ulrike Brand und Caroline Braselmann die Kinder betreut. Auch die Gäste aus Gerlingen, allen voran die Erste Beigeordnete im Team mit dem Rektor der Gerlinger Pestalozzi Schule, Bernd Rau, ließen sich ein Kicker-Match gegen Oberdorfer und Braselmann nicht nehmen. Schließlich unterlag Korntal im „SIH-Eröffnungsspiel“ gegen Gerlingen mit zehn zu sechs Toren. Die neue SIH, so sehen es beide Seiten, ist jedoch vor allem für die hier betreuten Kinder ein riesen Gewinn.
Die Jugendhilfe Hoffmannhaus Korntal bietet ein differenziertes Hilfsangebot an stationären Wohngruppen, Tagesgruppen, ambulanten, therapeutischen und schulischen Hilfen an. Am Stammhaus in Korntal sowie an den Außenstellen werden zurzeit über 200 Kinder und Jugendliche betreut. Die SIH-Gerlingen ist die insgesamt siebte ihrer Art. Erst im April wurde die SIH-Markgröningen eingeweiht.