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Programmbeschwerde an den Intendanten des ZDF Markus Schächter

 

Brief vom 5. August 2009

 

Sehr geehrter Herr Schächter,

 

mit großer Verwunderung, Besorgnis und tiefer Verärgerung haben wir den Beitrag „Sterben für Jesus“ in Ihrem Magazin „Frontal 21“ aufgenommen. Darin beschäftigen sich die Autoren Arndt Ginzel, Martin Kraushaar und Ulrich Stoll mit „radikalen Evangelikalen“, die Jugendliche anwerben würden, „das Wort Gottes zu verbreiten - auch dort, wo es gefährlich ist“ – so steht es auf zdf.de im Programmhinweis zu lesen.

 

Wir protestieren gegen die am 4. August erfolgte tendenziöse Berichterstattung, die zum großen Teil durch Vorspiegelung falscher Tatsachen zustande gekommen ist. Passagen dieses Beitrags sind einfach so schlecht recherchiert, dass die daraus abgeleiteten Behauptungen sowohl die Akademie für Weltmission (AWM), die zur Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM) gehört, als auch Korntal und damit die Ev. Brüdergemeinde Korntal, die Mitgesellschafterin der AWM ist, als Ort mit besonderer Missionstradition auf dem Boden des Bekenntnisses der Evangelischen Kirche in ein falsches, sogar diffamierendes und kriminelles Licht rücken, was besonders die Art, wie der Film gemacht ist (filmen mit versteckter Kamera) nahelegt. Die Autoren setzen damit die Ausbildung der AWM unterschwellig mit der Praxis radikalislamischer Ausbildungskamps gleich. Das weisen wir mit aller Schärfe zurück!

 

Im Einzelnen:

  • Die Autoren haben sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Zutritt ins Gebäude der AWM verschafft. Sie haben vorher weder um ein Interview gebeten, noch haben sie sich bis heute mit dem Leiter der AWM, Herrn Traugott Hopp, in Verbindung gesetzt. Stattdessen vermitteln sie mit einer versteckten Kamera den Eindruck, als ob man hier nur heimlich filmen könne und suggerieren damit, dass die AWM konspirativ und damit für die Gesellschaft gefährlich sei. Die Journalisten haben somit das Gastrecht der AWM sträflich missbraucht! Aus unserer Sicht liegt der Tatbestand des Hausfriedensbruchs vor, die Rechtsordnung wurde nachhaltig verletzt. Hier haben wir es mit einer gezielten Rufmordkampagne zu tun.
  • Dieser Vorwurf wiegt umso schwerer, als falsche Tatsachen so im Bericht platziert werden, dass ein völlig falsches Bild der AWM und Korntals entstehen muss. o Es gibt keinen „Missionsfriedhof“ in Korntal. Richtig ist: Auf dem „Alten Begräbnisgarten“, der im Film gezeigt wird, ruhen Pioniere der Weltmission genauso wie einer zukunftsweisenden Pädagogik und diakonischer Projekte. Sie haben sich um die Ausbreitung des Wortes Gottes in vielen Erdteilen verdient gemacht, haben Sprachforschung, Geografie und Völkerkunde getrieben und waren Wegbereiter unserer modernen Diakonie. Für alle diese Bereiche stehen die reiche christliche Tradition und die Geschichte Korntals.
  • Es gibt nicht einen Verstorbenen, der auf diesem Friedhof beigesetzt ist, der per definitionem als „Märtyrer“ zu bezeichnen wäre. Ihr Beitrag suggeriert allerdings, dass der Friedhof quasi als Begräbnisort von Märtyrern diene, an den junge „Radikale“ pilgern, um sich auf ihren Dienst einzustimmen. Wo bleibt da die Sorgfaltspflicht Ihrer Journalisten?
  • Die Autoren gehen mit der Vorstellung an den Beitrag heran, dass „fundamentalistische Evangelikale“ gleichzusetzen seien mit gewaltbereiten „fundamentalistischen Islamisten“, die sich in Untergrund-Trainingscamps als Selbstmörder ausbilden lassen und damit unsere freiheitliche Gesellschaft unterminieren. Dies ist eine falsche Darstellung, die jedweder Grundlage entbehrt! Im Gegenteil: Mission im christlichen Sinn ist von Gottes Liebe zu den Menschen motiviert und kann deshalb nie mit Gewaltanwendung körperlicher oder seelischer Art einhergehen.
  • Mission ist neben Diakonie ein Standbein der christlichen Kirche seit Beginn an. In unserer Praxis, Mission und Diakonie zu unterstützen, wissen wir uns dem Zeugnis der Heiligen Schrift sowie dem Bekenntnis der Evangelischen Kirche in Deutschland verbunden.

 

Es ist schade und sehr bedauerlich, dass sich das auch mit Gebühren vieler bewusster Christen finanzierte ZDF in die Phalanx der unkritischen und unausgewogenen Berichterstatter über die angeblich gefährlichen Evangelikalen einreiht. Das enttäuscht uns sehr. Der Schaden, den Sie damit anrichten, kann nicht hoch genug veranschlagt werden, denn aus unserer Sicht ist dieser Bericht dazu geeignet „den religiösen Glauben […] verächtlich zu machen und herabzuwürdigen“ (was nach den Programmrichtlinien des ZDF, VI, 2 unzulässig ist). Ferner haben Sie es unterlassen, religiöse Themen „mit der ihnen gebührenden Ehrfurcht und Sorgfalt“ (VI, 3) darzustellen.

Mit freundlichen Grüßen

 

Dieter Messner

Vorsteher der Ev. Brüdergemeinde Korntal,

Mitgesellschafterin der Akademie für Weltmission, Korntal

 

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